News • 16. März 2026

«Näher versorgt meint mehr als geografische Nähe.»

Benjamin Mühlemann, Präsident von ospita, im Interview.

Sie sind seit rund einem Jahr Präsident von ospita. Warum engagieren Sie sich für private Gesundheitsunternehmen?

Weil sie einen zentralen Teil der Versorgung leisten, aber oft unter dem Radar laufen oder fälschlicherweise als etwas Exklusives betrachtet werden. Dabei sind unsere Mitglieder jene Orte, wo Babies zur Welt kommen, Beinbrüche behandelt werden oder Rehatherapien erfolgen. Mir ist wichtig, dass die wichtige Rolle der Privaten besser verstanden wird und ihre Perspektive in die gesundheitspolitische Debatte einfliesst.

Sie waren kantonaler Gesundheitsdirektor. Da vermutet man eigentlich Nähe zu öffentlichen Spitälern… 

Schon als Gesundheitsdirektor habe ich das Ziel verfolgt, das Zusammenspiel privater und öffentlicher Versorgung zu optimieren. Öffentlich und privat sind keine Gegensätze. Wer das System kennt, weiss: Private tragen viel Verantwortung und müssen Teil der Lösung sein. Ich nutze gerne den Begriff eines «dualen Gesundheitssystems». 

ospita tritt mit der Kampagne «Näher versorgt» stärker an die Öffentlichkeit. Warum gerade jetzt?

Weil viele Diskussionen über Kosten, Strukturen oder Besitzverhältnisse geführt werden, ohne die reale Versorgung mitzudenken. Mit «Näher versorgt» wollen wir den Blick auf den Alltag lenken: auf die Orte, wo Menschen behandelt werden, auf die Teams, die Versorgung tragen, und auf die Wege, die Patientinnen und Patienten tatsächlich gehen.

«Näher versorgt» meint mehr als geografische Nähe. Es geht um persönliche Betreuung, klare Verantwortung und kurze Entscheidungswege. Viele private Gesundheitsunternehmen sind regional verankert, arbeiten auch mit Belegärztinnen und Belegärzten und begleiten Patientinnen und Patienten oft über längere Zeit. Diese Nähe entsteht durch Organisation, nicht durch Besitzverhältnisse.

Welche gesundheitspolitische Frage wird Sie 2026 besonders beschäftigen?
Die Ambulantisierung. Politisch ist sie gewollt, aber sie gelingt nur, wenn Finanzierung und Tarife zusammenpassen. Mich treibt um, wie wir Fehlanreize abbauen, damit medizinisch sinnvolle Versorgung auch wirtschaftlich tragfähig ist.

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